ZPP – Änderung Anbieterqualifikation für Präventionskurse ab 01.10.2020

von Andrea Brakutt. Ab dem 01.10.2020 werden fachliche Mindeststandards geprüft, d. h. es sind nicht mehr ausschließlich die beruflichen Abschlüsse entscheidend.

Die Mindeststandards müssen in detaillierten Unterlagen zu den Ausbildungsinhalten nachgewiesen werden. Eine Prüfung ohne Unterlagen ist demnach nicht möglich. Als Grundlage können ggf. Curricula und beglaubigte Kopien von Unterlagen herangezogen werden. Aufgrund der heterogenen Berufsgruppen, die aktuell im Präventionsbereich tätig sind, werden laut GKV-Spitzenverband die Eingangsvoraussetzungen zu den Präventionskursen hoch angesiedelt. Deshalb werden im aktuellen Handlungsleitfaden ab dem 01.10.2020 keine Berufsgruppen mehr genannt. Noch bis zum 20.09.2020 ist es möglich, über die Berufsqualifikation „Physiotherapeut“ oder „Masseur und medizinischer Bademeister“ Kursangebote bei der Zentralen Prüfstelle (ZPP) zertifizieren zu lassen. Die Regelungen zur individuellen verhaltensbezogenen Prävention nach § 20 Abs. 4 Nr. 1 SGB V wurden vom GKV-Spitzenverband festgelegt. Hierbei ist die Regelung zum Bestandsschutz für alle aktuell zugelassenen Berufsgruppen von hoher Bedeutung!

Handlungsfelder

Die Handlungsfelder und Präventionsprinzipien der individuellen verhaltensbezogenen Primärprävention bestehen aus

  • Bewegung
  • Stressbewältigung und Entspannung
  • Ernährung
  • Suchtmittelkonsum

Handlungsfeld Bewegung

Im Handlungsfeld Bewegung gibt es zwei Präventionsprinzipien, die für Physiotherapeuten sowie Masseure und medizinische Bademeister relevant sind:

  • erstes Präventionsprinzip:
    Reduzierung von Bewegungsmangel durch gesundheitssportliche Aktivität (z. B. Fitnesskurse, Aqua-Fit, Zirkelkurse, Gesund altern)
  • zweites Präventionsprinzip:
    vorbeugende Reduzierung spezieller Risiken durch geeignete verhaltens- und gesundheitsorientierte Bewegungsprogramme, z. B. bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen aller Art (Nordic Walking, Rückenkurse mit und ohne Geräte, Beckenbodenkurse, Osteoporose-Kurse, Diabetes-Kurse, Aqua-Jogging)

Handlungsfeld Entspannung

Sonderregelung im Bestandsschutz!
z. B. progressive Relaxation, autogenes Training, Yoga, Tai Chi etc.

Was ändert sich?

Zulassungsvoraussetzungen zur Durchführung nach § 20 SGB V ab 01.10.2020

Handlungsfeld Bewegung:

Erstes Präventionsprinzip:
spezieller Ausbildungsnachweis von 750 Stunden (aktueller Leitfaden, S. 64)

Kompetenz

Inhalt

Umfang

fachwissenschaftliche Kompetenz

Trainings- und Bewegungswissenschaften

150 h oder 5 ECTS

Medizin

150 h oder 5 ECTS

Pädagogik, Psychologie

150 h oder 5 ECTS

fachpraktische Kompetenz

Theorie und Praxis der Sportarten und Bewegungsfelder

150 h oder 5 ECTS

fachübergreifende Kompetenz

Grundlagen der Gesundheitsförderung und Prävention

  30 h oder 1 ECTS

frei wählbar aus den o. g. Inhalten

120 h oder 4 ECTS

gesamt für Präventionsprinzip 1

750 h oder 25 ECTS

ETCS: European Credit Transfer and Accumulation System, Europäisches System zur Übertragung und Akkumulierung von Stundenleistungen. 1 ECTS entspricht einem Workload von 30

Zweites Präventionsprinzip:
spezieller Ausbildungsnachweis von 870 Stunden (aktueller Leitfaden, S. 68)

Kompetenz

Inhalt

Umfang

fachwissenschaftliche Kompetenz

Trainings- und Bewegungswissenschaften

150 h oder 5 ECTS

Medizin

150 h oder 5 ECTS

Pädagogik, Psychologie

150 h oder 5 ECTS

Pathologie, Pathophysiologie

120 h oder 4 ECTS

fachpraktische Kompetenz

Theorie und Praxis der Sportarten und Bewegungsfelder

150 h oder 5 ECTS

fachübergreifende Kompetenz

Grundlagen der Gesundheitsförderung und Prävention

  30 h oder 1 ECTS

frei wählbar aus den o. g. Inhalten

120 h oder 4 ECTS

gesamt für Präventionsprinzip 2

870 h oder 29 ECTS

ETCS: European Credit Transfer and Accumulation System, Europäisches System zur Übertragung und Akkumulierung von Stundenleistungen. 1 ECTS entspricht einem Workload von 30

Bei staatlich anerkannten Berufs- oder Studienabschlüssen muss die Erfüllung der Mindeststandards im Umfang von mindestens 60 % aus diesen staatlich anerkannten Berufsausbildungen und/oder wissenschaftlichen Studiengängen jeweils mit Abschluss nachgewiesen werden. Fehlende Inhalte können bis zu 40 % durch weitere Qualifizierungsmaßnahmen an Institutionen der Aus-, Fort- und Weiterbildung oder vom Berufsverband ergänzt werden.

Regelungen zum „lebenslangen“ Bestandsschutz ZPP

Alle am 30.09.2020 anerkannten Kursleitenden erhalten für die Zukunft lebenslang Bestandsschutz für die vorhandene Ausbildung für das Präventionsprinzip im Handlungsfeld Bewegung, in dem sie zu diesem Datum aktuell zertifiziert sind. Hier sind, wie beschrieben, ein erstes und ein zweites Präventionsprinzip vorhanden (vgl. S. 53 Leitfaden Prävention, Handlungsfelder und Kriterien nach § 20 Abs. 2 SGB V zur Umsetzung der §§ 20, 20a und 20b SGB V vom 21.06.2000 in der Fassung vom 01.10.2018).

Auf Anfrage bei der ZPP wurde folgende Antwort gegeben: „Der Bestandsschutz und damit die dauerhafte Anerkennung einer Qualifikation bezieht sich stets auf ein Präventionsprinzip und eine/n bestimmte/n Kursleiter/in. Es kann Bestandsschutz für die Anbieterqualifikation für verschiedene Präventionsprinzipien erteilt werden, sofern zertifizierte Kurse in verschiedenen Präventionsprinzipien vorhanden sind.

Dies lässt auf folgende Empfehlung schließen:
Es ist angeraten, sich vor dem 01.10.2020 mit mindestens einem Kurs im ersten und einem Kurs im zweiten Präventionsprinzip zu zertifizieren, um diese historische Chance der Bestandsschutzsicherung für das vollständige Handlungsfeld Bewegung nicht zu verpassen.

Im Handlungsfeld Entspannung bezieht sich der Bestandsschutz nicht auf das komplette Präventionsprinzip, sondern nur auf die zertifizierte Technik, wie PR, Yoga, Tai Chi etc.

Im Sinne einer Übergangsregelung kommen darüber hinaus Inhaber/innen der genannten Berufs- und Studienabschlüsse nach den bis zum 30.09.2020 geltenden Regelungen in Betracht, wenn die Ausbildung zwischen Januar 2018 und September 2020 begonnen wurde und bis spätestens 31.12.2024 abgeschlossen wird.

Auf den Seiten des GKV-Spitzenverbandes sind häufige Fragen zu den fachlichen Mindeststandards zu finden (FAQ) – https://www.gkv-spitzenverband.de

Betriebliche Gesundheitsförderung

steuerliche Vorteile:
www.gkv-spitzenverband.de/krankenversicherung/praevention_selbsthilfe_
beratung/praevention_und_bgf/bgf/BGF_s.jsp

Es konnte ein gemeinsames Verständnis zur Auslegung der Bestimmungen des § 3 Nr. 34 EStG erreicht werden, das am 19.12.2019 auf der Internetseite des Bundesministeriums für Gesundheit veröffentlicht wurde:

Die steuerliche Förderung durch § 3 Nr. 34 EStG ist demnach möglich für:

  • von den Krankenkassen oder der Zentrale Prüfstelle Prävention zertifizierte Leistungsangebote zur verhaltensbezogenen Prävention im Sinne des § 20 Abs. 4 Nr. 1 und Abs. 5 SGB V (Präventionskurse), auf welche der Arbeitgeber zurückgreift, und
  • sonstige, nicht zertifizierungspflichtige verhaltensbezogene Maßnahmen des Arbeitgebers im Zusammenhang mit einem betrieblichen Gesundheitsförderungsprozess, welche den Vorgaben des Leitfadens Prävention genügen. Hierzu können z. B. Maßnahmen, wie „bewegte Pause“ gehören.

In Ergänzung und zur Umsetzung dieses gemeinsamen Verständnisses wird in Abstimmung mit dem Bundesgesundheitsministerium und dem Bundesfinanzministerium eine Umsetzungshilfe erarbeitet, um für Betriebe und Anbieter von Präventions- und Gesundheitsförderungsleistungen Klarheit über die nicht zertifizierungspflichtigen verhaltensbezogenen Maßnahmen im Zusammenhang mit einem betrieblichen Gesundheitsförderungsprozess als steuerbegünstigte Leistung zu schaffen.

https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/praevention/betriebliche-gesundheitsfoerderung/steuerliche-vorteile.html

Auch Arbeitgeber können zur Förderung der Gesundheit ihrer Beschäftigten auf derartige zertifizierte Kursangebote zurückgreifen Die Zertifizierung stellt sicher, dass das Angebot „den Anforderungen der §§ 20 und 20b SGB V“ entspricht. Darüber hinaus können Arbeitgeber auch auf andere gesundheitsförderliche Maßnahmen zurückgreifen. Hierzu zählen neben den o. g. zertifizierten Kursangeboten auch gesundheitsförderliche Maßnahmen in Betrieben, die den vom GKV-Spitzenverband nach § 20 Abs. 2 S. 1 SGB V festgelegten Kriterien entsprechen, den Anforderungen nach §§ 20 und 20b SGB V. Eine Zertifizierung derartiger Maßnahmen ist nicht vorgesehen Die Anforderungen hinsichtlich Qualität, Zweckbindung und Zielgerichtetheit entsprechend §§ 20 und 20b SGB V sind m „Leitfaden Prävention“ in der aktuellen Fassung vom 01.10.2018 ersichtlich.

Andrea Brakutt

https://www.vpt.de/nc/aktuelles/vpt-meldungen/archiv/meldung/zpp-aenderung-anbieterqualifikation-2020-fuer-praeventionskurse/